Apotheker schlagen Alarm

Nicht nur bei Bezirksapothekerin Dr. Sigrun Scholz in der Lüneburger Kosmos-Apotheke ist der Lieferengpass von Medikamenten deutlich zu sehen. Foto: ri

Landkreis. Schmerztabletten, Schilddrüsen- und Blutdruckmittel, Anti-Depressiva – immer öfter müssen Apotheker feststellen, dass viele Medikamente einfach nicht lieferbar sind. „Wir suchen die Nadel im Heuhaufen“, sagt Bezirksapothekerin Dr. Sigrun Scholz. Sie ist seit 40 Jahren selbstständig, doch so eine Situation wie aktuell hat sie noch nicht erlebt: „Ursprünglich habe ich als Apothekerin gelernt, meine Kunden hinsichtlich des Medikaments, das für sie am besten ist, zu beraten. Jetzt suche ich nur noch nach Mitteln.“

Die Zahlen sind erschreckend: 2018 waren 9,3 Millionen Packungen in Deutschland nicht verfügbar. Im ersten Halbjahr 2019 waren es schon 7,2 Millionen. Tendenz steigend.
Die Gründe für die Lieferengpässe sind vielfältig: „Die Pharma-Industrie verlagert die Produktion immer mehr ins Ausland und dass bestimmte Wirkstoffe von immer weniger Herstellern produziert werden“, erklärt die Apothekerin. Falle etwa eine Fabrik aus oder müssten sogar ganze Chargen aufgrund von Mängeln vom Markt genommen werden, komme es schnell zu Engpässen. Daher fordern Apothekenverbände, dass die Produktion wieder verstärkt in der EU stattfinden müsse – unter hohen Umweltschutz- und Sozialstandards.

Leidtragende der Engpässe sind Kunden und Apotheker gleichermaßen. Denn die Suche nach Alternativ­medikamenten ist schwierig und zeitaufwendig. Weitere Gründe für den Medikamenten-Notstand und was Apotheker sagen, lesen Sie in der aktuellen Lünepost vom 4. Dezember.