Ein Adler aus Adendorf

Früher Heidschnucke, heute Adler: Phil Hungerecker (M.), früher für den Adendorfer EC auf dem Eis, ist inzwischen ein wichtiger Bestandteil des DEL-Spitzenklubs Adler Mannheim geworden. Foto: AS-Sportfoto/Sörli Binder

Adendorf/Mannheim. Dieses Jahr wird Eishockey-Profi Phil Hungerecker so schnell nicht vergessen. Am Ende der vorigen Saison wurde der Spieler der Adler Mannheim in der DEL zum „Rookie of the year“ gewählt, inzwischen steht er mit seinem Klub an der Spitze der höchsten Spielklasse und hat sein Debüt in der Nationalmannschaft gegeben.

Dennoch hat der 24-Jährige nie seine Heimat vergessen: Beim Adendorfer EC lernte er das Eishockeyspielen. Am Dienstag hatte der Eishockey-Shooting-Star des Jahres spontan einen freien Tag, an dem er sich Zeit für ein Interview mit der LÜNEPOST nahm.

LÜNEPOST: Phil, Ihr habt heute kurzfristig frei bekommen. Wie sieht ein freier Tag bei Dir aus?
Phil Hungerecker: „Erst einmal schlafe ich aus. (lacht) Ich war aber auch schon in der Stadt, Weihnachtsgeschenke kaufen. Und heute Abend kellnern wir Spieler noch bei einem Charity-Dinner zugunsten des gemeinnützigen Vereins ‚Adler helfen Menschen e. V.‘.“

LÜNEPOST: Mit den Adlern Mannheim aktuell auf Platz 1, Vertragsverlängerung, Rookie des Jahres, Debüt im Nationalteam – 2018 war für Dich ein Traumjahr bislang …
Hungerecker: „Hätte mir das jemand vor vier Jahren prophezeit, als ich Adendorf verlassen habe, hätte ich ihn für verrückt erklärt. Es ist unglaublich, wie alles gekommen ist. Und es ging so schnell, dass ich nun bei einer der besten deutschen Mannschaften meinen Traum vom Eishockey-Profi leben kann.“

LÜNEPOST: Hast Du das alles schon realisiert?
Hungerecker: „Dieses Jahr geht es auf jeden Fall schon leichter. Voriges Jahr war es schwieriger, das alles zu begreifen. Da war plötzlich Christoph Ullmann mein Zimmerpartner, von dem ich als Zehnjähriger noch ein Fan-Trikot zu Hause hängen hatte. Aber ich genieße jeden Tag und jedes Mal, wenn ich in unsere Arena einlaufen darf. Auch, wenn es langsam Alltag wird, verliert es kein bisschen an Spannung.“

LÜNEPOST: Eines der Highlights war sicher die Zeit bei der Nationalmannschaft, in der gleichzeitig Eishockey-Legende Marco Sturm seinen Abschied als Trainer gab …
Hungerecker: „Es war toll, noch einmal unter Marco Sturm auflaufen zu dürfen. Er ist ein Supertyp und ein Supertrainer. Da ja auch noch andere Mannheimer bei der Nationalmannschaft waren, habe ich schnell ins Team gefunden. Mich haben alle unheimlich gut aufgenommen. Es war eine schöne Zeit.“

LÜNEPOST: Eine Zeit, die für Dich auch ohne Marco Sturm im Nationalteam weitergeht?
Hungerecker: „Das kommt immer auf den Trainer an. Am Ende zählt nur der Anruf des Bundestrainers, ob ich wieder dabei sein darf. Aber der Sportdirektor und der Präsident sind ja geblieben und die haben sich ein Bild von mir gemacht. Es wäre auf jeden Fall ein Traum, noch einmal bei einem großen Turnier dabei sein zu können.“

LÜNEPOST: Und wohin kann in dieser Saison die Reise für Deine Adler Mannheim noch gehen?
Hungerecker: „Du kannst in Mannheim nicht sagen, dass mit den Playoffs die Ziele schon erreicht sind. Der Anspruch ist ein anderer. Aber ich denke, wir stehen momentan nicht ohne Grund auf Platz 1. Wir arbeiten gut und hart. Unser Trainer Pavel Groß ist ein Perfektionist. Er findet immer etwas, worin er uns verbessern kann. Damit macht er uns auch vielseitiger. Das kommt natürlich auch meiner Entwicklung entgegen.“

LÜNEPOST: Welchen Anteil hat Dein Trainer an Deinem Superjahr 2018?
Hungerecker: „Er bleibt oft mit mir und ein paar anderen Spielern nach dem Training noch eine halbe oder Dreiviertelstunde auf dem Eis und schiebt Extra-Schichten. Das tut mir gut und hilft mir. Aber auch schon in der vergangenen Saison habe ich viel Spielzeit bekommen. Das war genauso wichtig.“

LÜNEPOST: Der Spielplan im Dezember ist eng. Bleibt da über Weihnachten überhaupt genug Zeit für Kontakt mit der Familie oder Freunden?
Hungerecker: „Adendorf und Lüneburg sind meine Heimat. Meine Eltern leben ja auch noch immer da. Und Kontakt gibt es regelmäßig, keine Frage. Aber wegen des Spielplans bleibe ich über Weihnachten in Mannheim. Mein Bruder, der am 23. Dezember mit Kassel in Frankfurt spielt, kommt ein paar Tage vorbei und so sind wir beide nicht allein an Heiligabend. Das richtige Familienfest holen wir dann nach der Saison nach.“

LÜNEPOST: Wie oft schaffst Du es in die alte Heimat?
Hungerecker: „Zuletzt war ich Anfang November dort. Ich schaue dann auch immer bei den Jungs vom AEC vorbei. Beim letzten Mal haben wir auch lange in der Kabine gesessen und gequatscht. Ich will wissen, wie es bei ihnen läuft und umgekehrt. Ansonsten stehe ich vor allem mit Matthias Hofmann und Vadim Kulabuchov in Kontakt, die ich noch von früher kenne. Und meine Eltern und deren Freunde gehen immer noch regelmäßig nach Adendorf in die Halle, auch wenn ich dort nicht mehr spiele. Insofern bin ich da immer auf dem Laufenden …“

LÜNEPOST: Momentan läuft es nicht so gut für den AEC. Was denkst Du über die Situation?
Hungerecker: „Da ist aktuell einfach der Wurm drin. Das hat aber jede Mannschaft mal, da darf man sich nicht verrückt machen. Wir waren mit den Adlern vorige Saison auch mal Vorletzter und haben uns da wieder rausgekämpft. Und der AEC wird da auch wieder rauskommen. Ich drücke aus der Ferne auf jeden Fall die Daumen.“

LÜNEPOST: Phil, vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für die nächsten Spiele.
Hungerecker: „Danke! Am Freitag geht‘s zu Hause gegen Düsseldorf. Da wollen wir nach drei Niederlagen unbedingt punkten!“