Faustballerin Grzywatz feiert Gold trotz Gips

Foto: DFBL/Spille

Linz/Bardowick. Schlimmer konnte es kaum losgehen: Beim letzten Teamtraining vor der Weltmeisterschaft im österreichischen Linz brach sich die Bardowicker Faustballerin Michaela Gryzwatz den Arm (Lünepost berichtete). Aus der Traum vom WM-Gold? Von wegen!
Eine Woche nach dem Trainingsunfall strahlt die 25-Jährige bis über beide Ohren. Um ihren Hals hängt die schwere Goldmedaille vom Faustball-Weltverband IFA. Einzig das schwarze Trikot, mit dem ihre Mannschaftskolleginnen jubelnd durchs Stadion tollen, fehlt. Stattdessen trägt Michaela Grzywatz bei der Siegerehrung einen dicken Gipsverband am rechten Arm.

Am Tag nach dem mit 4:1 gegen die Schweiz gewonnenen Finale stellte sie sich mit einer vom Feiern und Anfeuern heisernen Stimme der Lünepost zum Interview.

Lünepost: Michaela, herzlichen Glückwunsch zum Titelgewinn! Wie war die Weltmeisterschaft für Sie als gezwungenermaßen Außenstehende?
Michaela Grzywatz: „Die WM war einfach ein riesiges Event, das es in dieser Form im Frauenfaustball noch nie gegeben hat.“

Lünepost: Fühlen Sie sich denn auch so als Weltmeisterin?
Grzywatz (zögert): „Ja, ich fühlen mich als Weltmeisterin, weil mir die Mädels und auch die Trainer das Gefühl gegeben haben, dass ich dazugehöre. Das macht es mir leichter, mich als Weltmeisterin zu sehen. Ich habe mich ein Jahr auf die WM vorbereitet, habe ja im Prinzip alles mitgemacht – außer den Spielen. Natürlich ist es blöd, wenn man so kurz davor steht, eine WM zu spielen, und sich dann verletzt. Aber dann merkt man schnell, dass andere Aufgaben auf einen zukommen, dass man zum Beispiel im Bereich der Motivation arbeitet oder mit und zwischen den Spielerinnen kommuniziert und ihnen so hilft. Das war eigentlich auch ganz cool. Aber klar: Ich betreibe diese Sportart, um auch zu spielen.“

Lünepost: Ist es denn schlimmer, die Spiele von der Bank aus zu verfolgen als mitzumachen?
Grzywatz: „Das ist auf jeden Fall viel schlimmer – aber die Mädels haben das ja dann ganz ordentlich gemacht …!“

Lünepost: Von außen betrachtet war der dritte Titel­gewinn in Folge harte Arbeit, oder?
Grzywatz: „Ja, das war es – aber das ist es eigentlich immer. Vieles war diesmal von der Taktik geprägt und einige Nationen wie die Österreicher haben sich da ein wenig verzockt. Wir hatten mit Brasilien den stärksten Gegner schon im Halbfinale, da kam richtig große Gegenwehr. Am Ende sind wir da zwar knapp, aber auch verdient mit 3:2 als Sieger vom Platz gegangen.“

Lünepost: Wie groß war denn die Erleichterung, dass es dann geklappt hat mit dem dritten Titel in Serie?
Grzywatz: „Die Erleichterung nach dem gewonnenen Finale gegen die starken Schweizerinnen war einfach riesig, zumal Spielerinnen auf dem Platz standen, die noch kein Finale gespielt hatten. Besonders für Hinrike Seitz aus Schneverdingen hat es mich riesig gefreut.“

Lünepost: Und wie war die Party danach?
Grzywatz: „Die war auch riesig. Meine Stimme ist immer noch weg und ich weiß gar nicht, wann die letzte Spielerin ins Hotel gekommen ist …“

Lünepost: Nun sind Sie Welt- und Europameisterin. Ihre Vereinsmannschaft TSV Bardowick ist in der Feldsaison gerade in die 2. Bundesliga abgestiegen. Bleiben Sie dem TSV treu oder könnte es passieren, dass sie in der nächsten Saison ein anderes Trikot tragen – etwa das von Bundesliga-Meister und Heide-Konkurrent TV Jahn Schneverdingen?
Grzywatz: „Der Abstieg war sehr bitter – und ich bin mir immer noch sicher: Wenn wir nicht das ganze Verletzungspech gehabt hätten, dann wären wir auch kommende Saison noch in der Liga. Die Wechselfrage ist schwierig. Ich würde lügen, würde ich sagen, dass ich nicht mit dem Gedanken spiele. Manchmal wäre es einfacher, einen Einzelsport zu betreiben. Denn das Gewissen spielt mit und ich habe meine Mitspielerinnen unheimlich gerne, würde sie nie im Stich lassen. Aber der Unterschied zwischen erster und zweiter Liga ist einfach enorm hoch.“

Lünepost: Und das bedeutet?
Grzywatz: Wir werden uns die nächsten Tage zusammensetzen und Gespräche führen, wie es weitergeht. Wir haben Spielerinnen, die im Schichtdienst arbeiten und nicht bei jedem Spieltag dabei sein können. Um erste Liga zu spielen, muss man aber die Zeit dafür aufbringen können. Ich werde nach diesen Gesprächen entscheiden, wie es für mich weitergeht. Noch einmal: Ich möchte meine Mannschaft und meinen Heimatverein nicht im Stich lassen, aber mit der Europameisterschaft im kommenden Jahr, der Weltmeisterschaft in zwei Jahren und den World Games in drei Jahren in den USA stehen Riesen­ereignisse an, bei denen ich die Teilnahme anstrebe. Ich hoffe, dass man eine Lösung findet, mit der alle glücklich sind.“

Lünepost: Michaela, vielen Dank für das Gespräch.