Lüneburg. Der Handel hat auch im Coronajahr zugelegt. „Um fünf Prozent“, weiß Heiko Meyer, Vorsitzender des Lüneburger City-Managements. Doch was auf den ersten Blick so positiv klingt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen eigentlich als Alarmzeichen. Denn: „Das Plus liegt nur am Onlinehandel und nicht an stationären Händlern“, erklärt Meyer. Hier sehe es dramatisch schlecht aus.

In Zeiten von Lockdown und Kontaktbegrenzungen haben viele, die bisher noch auf den Laden in der Fußgängerzone setzten, ihren Weg ins Internet gefunden. Doch wie kann man sie von diesem Weg wieder herunter bekommen? Um zu retten, was vielleicht gerade noch zu retten ist, drängt zudem die Zeit: „Es ist fünf nach zwölf! Wir müssen jetzt handeln und nicht abwarten oder gar erstmal Mittel beantragen, um etwas zu erarbeiten.“

Das City-Management hat gehandelt und sich Hilfe von professioneller Seite geholt. Prof. Dr. Dirk von Schnakenburg gilt als Koryphäe in Sachen Marketing, Handel und E-Commerce. Der Lüneburger forscht seit vielen Jahren an der Jade-Universität in Wilhelmshaven, gibt auch Seminare an der Leuphana. Er weiß: „15 Prozent der Betriebe werden wegen Corona schließen, jedes siebte Geschäft. Und das ohne Aussicht auf Nachfolge.“

Während die sogenannten 1a-Lagen, also die Bäckerstraße oder der vordere Teil der Grapengießer, vom Läden-Sterben eher weniger betroffen sein werden, treffe das Problem vor allem die Nebenlagen. Schnakenburg spricht von „marktträumenden Mietpreisen“ nicht nur bei den Top-Immobilien. Weil viele Vermieter auch in den anderen Lagen ihre Mieten nicht anpassen, drohen dort längere Schließzeiten. Diese hässlichen Flecken wiederum machen die Einkaufsstadt für potentielle neue Mieter uninteressant. Ein Teufelskreis.

Doch wie herauskommen? Gemeinsam mit Heiko Meyer, LCM-Vize Ines Kruse und Vorstandsmitglied Cornelius Schnabel hat der Wirtschaftsprofessor einen Maßnahmenkatalog (Auszüge in der aktuellen Lünepost) erarbeitet, der noch am Freitag das Büro von Oberbürgermeister Ulrich Mädge erreichte. Die Initiatoren haben u. a. mit Händlern gesprochen, mit Immobilienbesitzern und Maklern.

Meyer: „Das Ganze ist ein Anstoß. Wir vom LCM wollen natürlich auch ein bisschen Druck ausüben, damit etwas passiert. Wir haben die Politik immer gepiekst, müssen das natürlich auch und besonders jetzt tun.“ Cornelius Schnabel ergänzt: „Wir haben einen guten Draht zur Verwaltung und wir hoffen, diesen auch hier nutzen zu können.“ Die Ideen gehen natürlich auch an die Parteien, schließlich steht ein Superwahljahr bevor: „Wir können nur Anregungen geben, wir können keine Politik machen“, betont Meyer, „aber wir hoffen natürlich, dass die Parteien oder politischen Personen dieses Papier aufnehmen.“ Wenn nicht, dann könnte es bald ziemlich dunkel werden im einst stolzen Kaufhaus Lüneburg.