Lüneburg. Wenn selbst ein erfahrener Rechtsmediziner wie der Hamburger Institutsleiter Prof. Dr. Klaus Püschel sagt, der Fall sei „geradezu einzigartig“, dann mag man sich vorstellen können, welch grausame Tat seit  Dienstag im Lüneburger Landgericht verhandelt wird.

Angeklagt ist der 33-jährige Lüneburger Robert S. Ihm wird vorgeworfen, in der Silvesternacht in der Wohnung seiner Freundin an der Heiligengeiststraße Anton W. umgebracht zu haben.

Mit zahlreichen Messerstichen in Rücken, Hals und Gesicht sowie unter Einsatz einer Bohrmaschine soll der Kellner sein Opfer getötet haben.

Vor vollbesetzten Zuschauerrängen in Saal 21 beginnt die Verhandlung mit einer langen Einlassung des Angeklagten. Eine halbe Stunde lang schildert S. den Tattag. Er habe nachmittags alleine mit dem Trinken begonnen und einen Joint geraucht.

Abends habe er seine Freundin bei ihrer Arbeit in einem Restaurant am Schrangenplatz besucht. Sie habe ihm Vorhaltungen gemacht, weil er angeheitert war.

Darauf sei er weiter in eine Bar in der Unteren Schrangenstraße. Hier habe er das spätere Opfer Anton W. kennengelernt. Um sich für einen spendierten Cocktail zu revanchieren, habe er diesen „auf eine Tüte“ in die Wohnung der Freundin eingeladen. Anton W. kam mit.

In dem kleinen Hinterhofappartement sei die Abendbekanntschaft dann plötzlich ein anderer Mensch geworden: „Anton wurde aggressiv, regte sich auf, warum keine Weiber dagewesen sind“, erzählte S.

Auch sei eine Gefängnisvergangenheit des Opfers zur Sprache gekommen, sie habe W. noch wütender gemacht. Robert S. habe sich immer stärker bedroht gefühlt: „Er hat mit einem Frühstücksmesser rumgefuchtelt. Ich wusste keinen Ausweg und habe mir ein großes Messer aus der Küche geholt, als er auf der Toilette war.“ Begründung: „Ich hatte Angst, umgebracht zu werden und meine Freundin würde mich hier finden.“ Auch habe sein späteres Opfer gedroht, kasachische Freunde würden seiner Partnerin etwas antun.

Angehörige und Freunde des Getöteten verfolgen die Worte des Angeklagten mit ungläubigen Augen. Viele tragen schwarze T-Shirts mit dem Aufdruck „Wir sind Anton“. Auch Bruder und Vater als Nebenkläger schütteln immer wieder den Kopf.

Mehr zum Prozesstag am vorigen Dienstag steht in der LÜNEPOST vom 5. Juni.