Lüneburg. Erst 16 Jahre ist Berenike Steiger jung, als die gebürtige Lüneburgerin der Gedanke packt: „Ich würde mir gerne ein Boot kaufen und die Welt besegeln.“ Heute ist „Nike“, wie sie von allen genannt wird, 40 und lebt auf ihrer Segelyacht „Karl“ an der Pazifikküste Costa Ricas (LP berichtete). Seit neun Jahren trotzt sie Wind und Wellen und stellt dabei immer wieder fest: „Man findet keinen Strand mehr ohne Müll.“

Statt weißem Sand säumen Kanister, Verpackungen und Plastikflaschen die Wasserlinie. Gemeinsam mit Seglerfreundin Maria LaPointe beginnt Nike die Traumstrände aufzuräumen. An einem Tag in 2018 sammelt sie Plastik auf einer der 365 winzigen San-Blas-Inseln im Karibischen Meer. Auf einem Eiland, etwa halb so groß wie der Lüneburger Platz Am Sande, verbringen sie einen ganzen Tag. Berge an Müll tragen sie hier zusammen – und ständig schwemmt das Meer neuen Müll an den Strand. Sie verbrennen das gesammelte Plastik, weil es keine andere Möglichkeit gibt – und sie beschließen, eine Alternative zu finden. „Wir haben viel recherchiert und sind dabei auf ein Unternehmen in Holland gestoßen, das kleine Recycling-Maschinen entwickelt und Bauanleitungen zur Verfügung stellt“, erinnert sich die Umweltschützerin.

Gemeinsam bauen die Freundinnen diese Apparate nach. Einen Schredder, der aus dem Plastik kleine Schnitzel macht, und eine Maschine, die das Plastik erhitzt und zu einer warmen, flexiblen „Wurst“ formt, die um Gegenstände gewickelt werden kann. Nike und Maria experimentieren. Sie lassen bunte Ohrringe, Armreifen oder auch Seifenschalen aus dem gefundenen Plastik entstehen und zeigen es den Einheimischen. „Die waren total begeistert“, erinnert sich Nike. Das Team ruft das Projekt „In Mocean“ („In Bewegung mit dem Ozean“) ins Leben. Sie geben Workshops, laden Menschen auf ihr Boot ein, präsentieren die Apparate und stellen fest: Da geht noch mehr.

Sie brauchen mehr Maschinen und weitere Unterstützer, um der lokalen Bevölkerung klarzumachen, was Plastikmüll für Potenzial hat. Manche Karibik-Einwohner stört das Plastik gar nicht, hat Nike festgestellt, und es sei ihnen auch nicht bewusst, welche Gefahren der Müll für den Fischfang birgt und dass er ihre Nahrungsgrundlage bedroht.
Andererseits erreichen Nike und Maria aber auch immer wieder Anfragen von Leuten, die ebenfalls Plastik recyceln möchten, aber nicht wissen, wie. „Wir rennen quasi offene Türen ein“, weiß die leidenschaftliche Seglerin. Die Leute hätten den Müll und wüssten nicht, was sie damit machen sollen – „dann kommen wir ins Spiel.“
Die von den beiden selbstgebauten Maschinen sind mittlerweile in einem Umweltschutz-Projekt in Costa Rica im Einsatz. „Das klappt auch schon ganz gut“, weiß die Gründerin. Dort habe man schon länger an den Stränden den Müll aufgesammelt, ohne zu wissen, wohin damit. Dort wurde die Idee von Nike Steiger begeistert umgesetzt. In drei Wochen entstanden 300 Produkte aus recyceltem Plastik. Diese wurden anschließend auf den Märkten verkauft. Die Arbeit habe nicht nur Spaß gemacht, sondern gezeigt, dass es auch finanziell klappen kann.

Damit „In Mocean“ kein Liebhaberprojekt einiger weniger bleibt, sondern zum Business wird, das auch in weiteren Regionen umgesetzt werden kann, haben sich Nike und Maria sechs weitere Segler mit ins Boot geholt: „Die sind ja prädestiniert, um an Orte zu gelangen, an denen es das Problem gibt, aber keine Infrastruktur und auch nicht das Bewusstsein, was Plastik für ein Potenzial hat.“ Dabei ist auch der bekannte Segler Brian Trautmann und sein Videoblog Delos – mit über 700.000 Followern auf Youtube. Um die Boote der Unterstützer mit den Maschinen auszustatten und um weitere kleine Recycling-Unternehmen in entlegenen Küstenregionen aufbauen zu können, rührt Berenike Steiger aktuell in Lüneburg die Werbetrommel. Sie möchte weiter die Meere von Plastik befreien und hofft auf Unterstützung aus jeder Richtung. Am Sonntag, 24. Oktober, um 17.30 Uhr stellt sie in der Viscule am Stint das Projekt „In Mocean“ im Detail vor. Reservierungen: (04131) 2 84 03 95.